Die Kaufkraft

Die Kaufkraft bestimmt wesentlich Ihre Preisstrategie

Welchen Betrag sind Sie bereit für Ihren Traumurlaub zu bezahlen? Welches wäre Ihr Limit für eine begehrenswerte und schicke Modetasche hinzublättern? Während Frauen bei diesen beiden Beispielen wohl den grösseren Betrag ausgeben würden, greifen Männer eher bei technischem Spielzeug tiefer in Tasche. „Habenwollen“ hat sehr viel mit der Konsumlust der gegenwärtigen Zeit zu tun. Wir haben doch schon so viel und eigentlich benötigen wir keine zweite Tasche. Auch den Tablett-PC ist eher eine Spielerei, als ein notwendiges Gerät. Dennoch fühlen wir uns wie magisch angezogen, betreten wir das eine oder andere Geschäft.

Konsumgüter werden heute weniger über den Nutzen sondern vielmehr über den emotionalen Effekt vermarktet. Das Produkt erhält somit eine charaktervolle Gestalt, die uns ein glücklicheres, gesünderes und längeres Leben vermittelt. Trend, Status und Bildung verschmelzen mit der Konsumlust. Man ist wer, wenn man sich das ultimative Produkt kaufen vermag. Solche Konsumgüter verändern unseren gesamten Lebensrhythmus.

Unsere Branche, die Gastronomie, ist dagegen sehr hetrogen. Wir bewegen uns in einem anderen Umfeld – das denken wir zumindest, doch ist das wirklich so? Während manche Betriebe bewusst auf diese Konsumfreudigkeit ihrer Gäste setzen und ihre Verkaufspreise überdurchschnittlich hoch ansetzen, kämpfen andere Wirte – meist in ländlichen Gegenden mit traditionellen Gastrokonzepten – bewusst mit tief angesetzten Verkaufspreisen um Gäste. Solche Gastronomen haben das Gefühl, dass sie nur durch tiefe Verkaufspreise Gäste in ihren Betrieb bringen und an sich binden können. Sie stufen damit die Kaufkraft ihrer Gäste auf ein Minimum herab. Dabei vergessen sie, dass nicht das Produkt den Marktwert bestimmt, sondern das emotionale Drumherum – das komplette gastronomische Konzept. Je nach konzeptioneller Ausrichtung, steuern sie mit ihrem Konzept auf eine bestimmte Bedarfsgruppe. Der Verkaufspreis ist dabei erst einmal unwichtig. Denn jede Bedarfsgruppe setzt ihre eigene Kaufkraft voraus. Die Kaufkraft dieser Bedarfsgruppe muss sich dann mit Ihrem Restaurantkonzept decken. Je stimmiger diese ist, desto eher gelingt es Ihnen den Erfolg zu sichern.

Sie können sich einmal bequem zurücklegen. Schauen Sie sich Ihr Lokal an. Versetzen Sie sich als Gast in Ihr eigenes Restaurant und stellen sich die Frage, welchen Betrag Sie bereit wären für Ihre Dienstleistung zu bezahlen. Seihen Sie dabei unbedingt ehrlich. Belügen Sie sich nicht selbst. Sie stellen fest, dass die Kaufkraftermittlung an viele Faktoren gebunden ist. So sind Lage, Interieur, Bedienung, Besuchszeit – ja sogar die Beleuchtung z.b. durch Kerzenlicht und ein guter Wein entscheidende Faktoren. Auch die gefühlte Emotionalität wirkt auf die Kaufkraft eines Gastes entscheidend mit ein. Schlussendlich sollte es Ihnen aber gelingen, eine Preisspanne festzulegen. Diese Preisspanne ist dann auch die Kaufkraft Ihrer Gäste. Das Salär des Gastes ist für die Kaufkraft – eigentlich ist dieses Wort falsch und müsste eher Kaufbereitschaft heissen – völlig unwichtig. Bei der Verkaufspreisbestimmung geht es um Ihr Konzept und um die entsprechende Kaufbereitschaft Ihrer angepeilten Bedarfsgruppe.

Manche Restaurants versuchen z.b. mit super günstigen Mittagsmenüs Gäste anzulocken. Auf mich wirkt dies eher abstossend und billig. Sie haben dies doch nicht nötig! Setzen Sie Ihr Konzept in Szene, nicht den Verkaufspreis. Geben Sie Ihrem Gast ehrliche und überzeugende Besuchsgründe die auf Emotionalität und der Konsumlust aufbauen. Setzen Sie für sich faire Verkaufspreise, die der Kaufkraft Ihrer anvisierten Bedarfsgruppe und dem gebotenen gastronomischen Konzept entsprechen.

Mit Stolz bekenne ich mich, ein leidenschaftlicher Gastronom mit Blick für Mögliches zu sein. Als Visionär mit Bodenhaftung. Die Gastrobranche ist meine Heimat. Mit Freude gebe ich meine Erfahrung in diesem Blog weiter.